Für das Amtshaus Walche durften wir nicht nur restaurieren, sondern mitdenken, spüren und neu zusammensetzen, was beinahe verloren ging. Lüftungsverkleidungen nach Mass, die Instandsetzung von originalen Schränken und der sorgfältige Wiederaufbau historischer Futtertüren gehörten zu unserem Auftrag. Das Herzstück: das Täferzimmer im 4. Obergeschoss. Ein Raum, der viel erzählt – wenn man genau hinsieht.
Die Geschichte der Walche reicht weit zurück. Bereits im Mittelalter lag das Gebiet ausserhalb der Stadtmauern Zürichs. Ab 1224 betrieb das Kloster St. Blasien hier ein Gut mit Amtshaus, später entstand eine Tuchwalke – die „Walchi“ –, die dem Ort seinen heutigen Namen gab. Mit der Industrialisierung wurde das Quartier zunehmend urbaner. Firmen wie Escher, Wyss & Cie. prägten das Gebiet, bis schliesslich das Amtshaus Walche 1932/33 gebaut wurde – als Antwort auf das rasante Bevölkerungswachstum der Stadt.
Geplant vom Zürcher Architekten Wilhelm Pfister-Picault ist das Amtshaus Walche ein früher Vertreter der Moderne. Klare Linien, sachliche Eleganz und ein Kranzgesims, das dem Bau eine fast zeitlose Würde verleiht. Ursprünglich diente das Gebäude nicht nur der städtischen Verwaltung, sondern auch einer Mädchenschule sowie Polizei- und Rettungsdiensten. Trotz seiner Grösse fügt es sich harmonisch ins Stadtbild ein – ein stilles Monument mitten im Wandel der Zeit.
Das Herzstück unseres Einsatzes: die umfassende Restauration des sogenannten Täferzimmers. Wahrscheinlich war dieser Raum einst das Büro des Amtsleiters oder ein repräsentativer Sitzungsraum. Die Wände waren einst mit edlem Nussbaumtäfer verkleidet – über die Jahre wurde es abgebaut, eingelagert und fast vergessen. Jetzt ist es zurück.
Eine besondere Herausforderung: Das originale Brusttäfer war bei früheren Umbauten vollständig demontiert worden. Es lagen keine Pläne mehr vor, nur ein paar unscharfe Fotos. Anhand dieser Spuren und mit viel Feingefühl konnten wir das ursprüngliche Erscheinungsbild rekonstruieren. Fehlende Füllungen wurden in unserer Werkstatt präzise ergänzt, beschädigte Teile vorsichtig restauriert und lose Furniere wieder gefestigt. Für jedes Detail – von der passenden Furnierauswahl bis zum historischen Profil – war originalgetreue Handwerkskunst gefragt.
Als zertifizierter Fachbetrieb für Denkmalpflege setzen wir uns leidenschaftlich für den Erhalt historischer Bauten ein. Unsere Spezialität: der sorgfältige Umgang mit alter Bausubstanz – fachgerecht, substanzschonend und mit viel Liebe zum Detail.
Auch bei diesem Objekt vereinen unsere Arbeiten handwerkliches Können, Respekt vor dem historischen Erbe und moderne Technik, um den Menschen ein einzigartiges Raumgefühl zu bieten.
Herzlichen Dank für den Auftrag, das Vertrauen und die sehr gute Zusammenarbeit.
Bauherrschaft: Stadt Zürich
Architekturbüro: Rinderknecht Hucker Architekten AG, Patrik Rinderknecht
Bildlegende
1-2: Meiner Hans, Meiner Johannes
3: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich
4-9: Peter Guggenbühl
10: unbekannt
11: R. Brunner AG
12-25: Amt für Städtebau, Juliet Haller
R. Brunner AG
Schreinerei Innenausbau
Josefstrasse 180
CH-8005 Zürich