An der Rämistrasse 33 in Zürich sind die originalen Fenster aus dem Jahr 1885 bis heute erhalten. Sie gehören zu einem klassizistischen Wohn- und Geschäftshaus und prägen dessen Erscheinungsbild bis heute. Unsere Aufgabe war es, diese bauzeitlichen Elemente denkmalgerecht zu restaurieren und gleichzeitig an heutige Anforderungen an Schall- und Wärmeschutz anzupassen.
Die Liegenschaft steht unter kantonalem Denkmalschutz. Ersatz war keine Option. Ziel war es, die originalen Fenster zu erhalten und technisch zu ertüchtigen – ohne ihre gewachsene Erscheinung zu verfälschen. Wie wir in der behördlichen Dokumentation festgehalten haben, handelt es sich bei den meisten Elementen um bauzeitliche Originalfenster aus Nadelholz mit klassizistischen Profilierungen und differenzierten Konstruktionen: vierbahnige Rundbogenfenster im 1. Obergeschoss, vertikale Schiebefenster mit Gegengewichten in den oberen Geschossen sowie grossformatige Balkon- und Kastenfensteranlagen.
Bei Bauteilen mit hohem denkmalpflegerischem Wert ist es nicht das Ziel, dass sie nach der Ertüchtigung wie neu wirken. Die Spuren von 140 Jahren dürfen sichtbar bleiben. Patina, leichte Unebenheiten, gewachsene Oberflächen – all das sind Zeitzeugen, die wir bewusst erhalten.
Unsere Arbeiten begannen mit der sorgfältigen Sondage und Dokumentation vor Ort. Anschliessend wurden die Flügel demontiert, gereinigt, instandgesetzt und – wo notwendig – substanzschonend ergänzt. Nicht originale Veränderungen wie nachträglich montierte Vorfenster, St. Galler-Fallen oder unsachgemässe Verschraubungen wurden zurückgebaut. Fehlstellen rekonstruierten wir gemäss dokumentiertem Bestand.
Für die technische Ertüchtigung kam ein 2-fach-Isolierglas mit Kryptonfüllung zum Einsatz. Die äusseren historischen Gläser blieben, wo möglich, erhalten. Innenseitig integrierten wir neue VSG-Iso-Gläser mit Schall- und Wärmeschutzfolie. Gegengewichtskästen wurden mit Schwerfolie ausgekleidet, um die Luftschalldämmung zu verbessern. Neue Sanierungsdichtungen verbessern die Dichtigkeit, ohne die Konstruktion zu verfälschen.
Die Montage der neuen Elemente erfolgte bewusst in derselben leichten Schräglage wie der Bestand – damit das Fassadenbild unverändert bleibt. Oberflächen wurden mit ölbasierten Grundierungen behandelt und gemäss historischem Befund ergänzt. Die Retuschen und die Fassung der neuen Fenster mit klassischer Ölfarbe übernahm die Christian Schmidt Malermeister AG in Abstimmung mit unserer Restaurationsarbeit. Das Unternehmen ist – wie wir – Partner im Netzwerk Altbauweise Zürich, einem Zusammenschluss spezialisierter Handwerksbetriebe für historische Bausubstanz.
So funktionieren die Fenster heute wieder zuverlässig – technisch auf aktuellem Stand, optisch weiterhin wie ein Teil des 19. Jahrhunderts.
Die Gebäudezeile Rämistrasse 23–39 entstand zwischen 1884 und 1889. Dafür wurden rund 63’000 Kubikmeter Erdreich abgetragen und am See für die Aufschüttung der Quaianlagen verwendet. An eine massive Stützmauer aus Bruchstein, Backstein und Eisenbalken lehnen sich die Häuser bis heute an. Die Nummer 33 diente Architekt Heinrich Ernst selbst als Wohn- und Geschäftshaus.
Wer sich vertieft mit der städtebaulichen Entwicklung dieser Achse befassen möchte, findet weiterführende Informationen beispielsweise im Architekturführer der Stadt Zürich oder in Publikationen des Stadtarchivs Zürich.
Die Schreinerei R. Brunner AG ist ein zertifizierter Fachbetrieb für Denkmalpflege und spezialisiert auf den fachgerechten Umgang mit historisch wertvoller Bausubstanz. Wir reinigen, konservieren und erneuern Zeitzeugen mit handwerklicher Sorgfalt und reversiblen Techniken.
Herzlichen Dank für den spannenden Auftrag und das damit entgegengebrachte Vertrauen. Ebenso danken wir der Bauherrschaft, der kantonalen Denkmalpflege sowie den beteiligten Fachplanern und Partnerunternehmen für die konstruktive Zusammenarbeit.
Das Netzwerk Altbauweise Zürich vereint spezialisierte Handwerksbetriebe, die sich dem fachgerechten Umgang mit historischer Bausubstanz verschrieben haben. Ziel ist der Erhalt originaler Substanz, die Weitergabe von handwerklichem Wissen und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe – von der Analyse bis zur Ausführung.
Weitere Informationen: https://www.altbauweise-zuerich.ch/